“Können Gedanken ans Sterben mich umbringen?” – Gedanken-Handlungs-Fusion bei Suizidalität

Stell dir folgendes Szenario vor: Du stehst am Bahnsteig, wartest auf deinen Zug und eine Durchsage weist dich darauf hin zurückzubleiben, da ein Zug durch den Bahnhof durchfahren wird. Du siehst wie der Zug mit High-Speed auf den Bahnhof zufährt und ein Gedanke schießt dir durch den Kopf: „Was, wenn ich jetzt einfach drei Schritte nach vorne gehe und springe?“

Ein wirklich angsteinflößender Gedanke und, da bin ich mir sicher, ein Gedanke, der vielen Lesern dieses Artikels schon einmal in dieser oder ähnlicher Form durch den Kopf geschossen ist- mir persönlich in jedem Fall. Bei dem Gedanken ans Springen bleibend, stell dir nun die folgende Frage: Kann dieser Gedanke (den man sogar Suizidgedanken nennen könnte) dich in Gefahr bringen, dich wirklich umzubringen? Persönlich bin ich mir sicher, dass ich nicht vor den Zug springen werde, aber das Umgehen mit diesem Gedanken ist von Person zu Person unterschiedlich. Dieser Blogeintrag soll solche Gedanken anhand einer neuen Studie zu dem Thema noch näher beleuchten, die wir über das Konstrukt Gedanken-Handlungs-Fusion (hier abgekürzt mit GHF) und seine Verbindung mit Depression und Suizidalität durchgeführt haben.

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Kindheitsinfekte: Akuter Schrecken und Langzeitrisiko

Kinder und Krankheiten: unfreiwillige Gegenstücke mit scheinbar magnetischen Anziehungskräften. Ein Grund dafür, warum Kinder beinahe alles Böse aus unserer Umgebung wie Staubsauger aufsaugen, ist, dass ihre Immunsysteme auch noch erwachsen werden müssen. Das Immunsystem muss lernen mit der gefährlichen Welt um uns herum umzugehen, mit dem einzigen Unterschied, dass es sich herzlich wenig um mobbende Mitschüler oder rasende Autos kümmert, sondern um Pathogene wie Bakterien und Viren, die Unfug in unseren Körpern stiften. Sobald Kinder von solchen Pathogenen angegriffen und infiziert werden, führen die kleinen, geröteten Wangen und großen, wässrigen Augen dazu, dass Eltern motivieren für ihre Engelchen alles stehen und liegen lassen, um ihre Kinder gesund zu pflegen. Wenn es hart auf hart kommt, reicht diese Hilfe jedoch manchmal nicht aus und solche Infekte können Krankenhausaufenthalte und eine intensive medizinische Behandlung bedeuten. Selbst diese ernsteren Erkrankungen sind jedoch oftmals nur ein kurzer Schrecken und kein Grund zur Sorge, sobald die akute Krankheit medizinisch besiegt wurde. Wie es scheint, können solche Infektionen jedoch auch Langzeitrisiken mit sich bringen wie unsere neue Studie aus dem Fachmagazin JAMA Psychiatry zeigt. In einer Kollaboration aus Forschern der Universität Cambridge und des Karolinska Institutet in Schweden haben wir untersucht wie sich Kindheitsinfekte auf unsere Entwicklung und schwere psychische Erkrankungen wie die Schizophrenie auswirken. Wie unsere Ergebnisse zeigen, stellen diese Infektionen ein erhöhtes Risiko dar und eigenartigerweise scheint ein Grund hierfür ein anderer Risikofaktor für die Schizophrenie zu sein, nämlich die geminderte Intelligenz.

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Halluzinationen: Nicht was wir hören, sondern was wir erwarten

Halluzinationen sind ein Stichwort für Schizophrenie und schwerwiegende psychische Krankheiten, jedoch sind sie weder spezifisch für Schizophrenie, noch einzigartig für psychisch kranke Menschen. Vielmehr treten Halluzinationen auch oft in anderen Krankheiten, wie Parkinson, auf sowie in manchen Menschen ohne psychische Krankheiten. Hast du schonmal deinen Namen an einem Ort gehört, aber wusstest, dass niemand ihn hätte sagen können? Hast du schonmal das Gefühl gehabt, dass etwas an dir hochkrabbelt ohne dass letztendlich etwas da war? Oder hast du schonmal gedacht jemanden beim ersten Blick wieder zu erkennen, nur um dann festzustellen, dass es sich um eine komplett andere Person handelt? Aller Wahrscheinlichkeit nach hast du eine oder mehrere dieser Erfahrungen schonmal gemacht, denn in Wirklichkeit gibt es eine Bandbreite an Halluzinationen. Am einen Ende dieser Bandbreite gibt es Menschen, die an schweren Krankheiten wie der Schizophrenie leiden und von boshaften Stimmen geplagt werden, die sie nicht abstellen lassen. Am anderen Ende gibt es dann so gewöhnliche Wahrnehmungsverzerrungen wie die, die ich genannt habe. Wenn man Letztere wirklich als Halluzinationen ansieht, könnte man sogar sagen, dass wir alle anfällig für Halluzinationen seien und genau das scheint eine aktuelle Studie aus der Fachzeitschrift Science zu sagen. Powers, Mathys und Corlett, die Autoren der Studie, haben untersucht wie Fehler in der Integration vorherigen Wissens mit unseren Sinneseindrücken diese Sinnestäuschungen auslösen können.

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Ein Blick durch die Zeit: Warum wir nicht mit Höchstgeschwindigkeit sehen

Unsere visuelle Wahrnehmung ist bemerkenswert. Sie ist unsere vorherrschende Kommunikationsmöglichkeit mit der Außenwelt, erlaubt uns eine sichere Navigation durch den Verkehr, die nervige Mücke in unserem Zimmer zu finden oder Blogs wie diesen auf unseren Handys, Tablets oder Computern zu lesen. Um Dinge sichtbar zu machen, ist der allererste Prozess in unseren Körpern die Transformation von Licht zu neuronalen Signalen auf der Netzhaut unserer Augen. Hierzu besitzt unsere Netzhaut sogenannte Stäbchen und Zapfen, das sind Photorezeptoren, die Licht Photonen in elektrische Signale umwandelt. Stäbchen sind gut darin Hell- und Dunkel-Unterschiede zu erkennen, wogegen Zapfen in drei verschiedenen Formen kommen, die jeweils am besten auf eine bestimmte Lichtwellenlänge oder Farbe reagieren. Interessant hier: Manche Frauen haben übermenschliche Sehkräfte, weil zwei Gene auf jedem X Chromosom in der Ausprägung eines vierten Typen von Zapfen resultiert, sodass sie zusätzliche Farben wahrnehmen können. Insgesamt hat jeder von uns um die 90 Millionen Stäbchen (vor allem in den Außenbereichen unserer Augen) und 5 Millionen Zapfen (vor allem in der sogenannten Fovea, oder dem Zentrum, unserer Augen). Der Einfachheit halber könnte man sagen, dass unsere Augen eine anfängliche Auflösung von 95 Millionen „Pixeln“ haben, was bei weitem besser ist als die Full HD Auflösung von 1920×1080 (ca. 2 Millionen) Pixeln.

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Was hat das Immunsystem mit psychischer Gesundheit und Depression zu tun?

Während des letzten Jahrhunderts haben Forscher psychischen Problemen eine ganze Reihe sonderbare Ursachen zugeordnet, zum Beispiel, dass Impfungen oder kühle, lieblose Mütter Auslöser für Autismus sind. Obwohl solche Erklärungen heutzutage lächerlich erscheinen (oder erscheinen sollten), gibt es andere wissenschaftliche Hypothesen, die anfänglich lächerlich erschienen, aber mittlerweile große Bedeutung erlangt haben.  Eine der neuesten Theorien konzentriert sich auf den Einfluss des Immunsystems auf psychische Gesundheit und das Gehirn. Ich möchte am Beispiel der Depression zeigen, warum die sogenannte Immunopsychiatrie ein faszinierender Forschungsbereich ist.

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